STEINMETZTECHNIK



Das Leithagebirge ist der östlichste Ausläufer der Zentralalpen und besteht in seinem Kern aus Urgestein. An seinen Rändern ist Leithakalk abgelagert, der besonders am Nordwestrand, also in der Gegend rund um Mannersdorf am Leithagebirge, seit der Zeitenwende als Werkstein gebrochen wird. Die teils ruhig gelegten und teils noch aktiven Steinbrüche sind nicht nur ein beeindruckendes Naturspektakel, sie sind gleichzeitig auch ein Kletterparadies für Outdoorsportler  und Arbeitsstätte für zahlreiche Einheimische. Die Steinmetztechnik hat sich über die Jahrhunderte bis heute stetig weiter entwickelt und trägt einen wesentlichen Teil zur Mannersdorfer Volkskunde und Stadtgeschichte bei. Ausstellungsstücke zur Steinmetztechnik können im Museum neben prachtvollen archäologischen Fundstücken bewundert werden. Ebenso die zahlreichen Mineralien und Fossilien, die in den Steinbrüchen Mannersdorfs gefunden wurden. 

 

Das ausgehende Mittelalter mit seinen vielen gotischen Großbauten machte den Kalkstein des Leithagebirges berühmt, so dass in den einzelnen Ortschaften regelrechte Steinmetzhütten entstanden. In der Barockzeit gab es in Mannersdorf etwa 16 Stein-brüche.

In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. waren durch die Großbauten der Wiener Ringstraße und der Stadterweiterung Werksteine aus dem Leithagebirge  wieder sehr begehrt. Eine letzte Blüte erlebte der Kalkstein aus dem Leithagebirge nach dem 2. Weltkrieg, wo er zum Wiederaufbau und zur Restaurierungen gebraucht wurde. Viele Menschen waren beschäftigt und verdienten mit harter Arbeit ihren Lebensunterhalt.

Werkzeuge für den händischen Abbau, Geräte für den Transport von der Abbaustelle zur Bearbeitung, verschiedenste Meisel und Hämmer zur Herstellung der gewünschten Oberflächen bis zu den benötigten Schablonen, Messgeräte und Hilfsmittel zum Heben der fertigen Werksteine erlauben einen beeindruckenden Einblick in das Steinmetzhandwerk.

Arbeit im Steinbruch

Bevor mit dem Abbau begonnen werden konnte, mussten oft große Mengen an Abraum (verwitterte Steinschichten) entfernt werden.

Bei hartem Gestein wurde an der Oberseite der Steinlage eingeritzt und mit "Keilpackln" abgetrennt. Die Stoßpartie löste nun mit schweren, langen Eisen-stangen die Blöcke aus der Wand. Große Keile, Eisenkugeln und Winden ermöglichten den Weitertransport der Rohblöcke.

 

Bei weichem Gestein wurde mit "Schrämmhacke" oder "Zweispitz" ein ca. 60 cm breiter Schrämmgang in das Gestein geschlagen, dessen Tiefe der gewünschten Blockhöhe entsprach. Danach wurde der Block vom Untergrund gelöst und auf Rollen zur Bearbeitung transportiert.

 

Abkeilen mit dem "Keilpackl" 

             Rampe zum Aufladen 

         Steinsäge für Kalksandstein

 

      Steinzange (Nachbildung)

    Zweispitz und Schrämmhacke 

    Mannersdorfer Steinsäge 1870 

           Oberflächengestaltung

 

Die "Große Stange" war ein riesiger Hebel, der eine Schenkel 10-15 cm, der andere 3 Meter lang. Von  sechs Männern im Takt in den Ritz gestoßen und nach hinten gekippt, wurde eine Stoßkraft von bis zu 20 Tonnen erreicht. 

Rohblöcke wurden durch weiteres Abkeilen grob in die gewünschte Form gebracht. Die zwischen den Blechen gesteckten  Keile durften den Boden des Ritzes nicht berühren, da sie sonst beim Draufschlagen herausge-sprungen wären.

Die Blöcke wurden mit Hilfe von Zugwalzen (große Walze) über eine Rampe (Schiefe Ebene) verladen. Erforderlich waren mindestens drei Walzen. Die hinter dem Block frei wurde, musste vorne wieder dazu gelegt werden. Bewegt wurden diese Zugwalzen mit Eisenstangen (Kleine Stange), welche in die Löcher an den Enden der Walzen eingesetzt wurden.

 

Die Mannersdorfer Steinsäge ist eine Rekonstruktion nach einem Originalfoto von 1870 aus dem damaligen Steinbruch der Wiener Baugesellschaft. Die Säge diente zum Schneiden mittelharter und harter Leithakalkblöcke. Das Sägeblatt war aus Weicheisen, das Sägemittel ein Gemisch aus Quarzsand und Wasser. 

 

Weicher Kalksandstein konnte mit einer 3 Meter langen Zugsäge  mit 3 cm hohen Zähnen geschnitten werden. 

 

Zum groben Zurichten eines Werkstückes dienten Bossierhacke (gerade Schneide), Zahnhacke (gezahnte Schneide) und Hundezahn (Schneide mit zwei Zacken).

Für die Oberflächenbearbeitung wurden Krönel, Peck-hammer und Fläche verwendet.

 

Für fertige Steinblöcke und Bauteile standen auf den Baustellen als Hebegeräte "Wolf" oder die "Steinzange" bereit. Über Flaschenzüge oder Tretkräne wurden die oft mehrere hundert Kilo schweren Architekturteile an die Versatzstelle gehoben. 

 

Katalog und Beschreibung der Steinmetztechnischen Sammlung, die von Herrn Steinmetzmeister Friedrich Opferkuh sen. (✝ 1993), erster Obmann des Kultur- und Museumsvereines, ein Leben lang zusammengetragen und dem Mannersdorfer Stadtmuseum testamentarisch vererbt  wurde. Die ausgestellten Werkzeuge und Werk-stücke, Bearbeitungsmuster und Arbeitsverfahren sind hier eingehend beschrieben.